Friday, July 18, 2008

Fiyera und Xander - Part 7

Fiyera schüttelte energisch den Kopf. Er verstand nicht, natürlich nicht. Missmutig schürzte sie die Lippen und betrachtete Xander nachdenklich. „"Ja, das ist wahr," meinte sie ausweichend und erhob sich langsam wieder.
Die letzte Frage war sehr unbefriedigend gewesen und so seufzte sie innerlich. "„Ich denke, ich lasse Sie dann einmal schlafen. Vielen dank dennoch für den Abend.“"
Ihre Stimme klang etwas kühl und gleichzeitig lag Sorge darin. „"Ich wünsche Ihnen eine gute Nacht."

Xander sah sie an, dann verschwamm sie vor seinem Gesicht. "Schlaf gut Fiyera, Nés qa me." Die Erschöpfung hatte Xander in Morpheus Reich mitgenommen und gönnte seinem Geist, seinen Sinnen und seinem Körper die Erholung, die er brauchte.

Noch einmal wandte sich Fiyera an der Tür aus dem Wohnzimmer um und seufzte leise. Anstatt dass das Gespräch ihre Sorge verringert hatte, war sie nun wieder größer geworden. Außerdem musste sie endlich Nathan helfen.
Mit diesem Gedanken schritt sie aus dem Haus und rief sich ein Taxi.
„"Zum Markttempel bitte“," gab sie dem Fahrer zu verstehen, sobald das Gefährt neben ihr gehalten hatte. Von diesem Platz aus waren es nur noch zehn Minuten Fußmarsch bis zu ihrer Wohnung.

Nachdem sie noch lange wach gewesen war, um sich um einige Dinge zu kümmern, war Fiyera erst gegen Morgengrauen ins Bett gekommen. Gegen Mittag jedoch wurde sie dann von dem schrille Klingeln ihres Telefons geweckt.
Sofort saß die junge Frau kerzengerade im Bett und angelte nach dem Hörer.
„"Ja?“," fragte sie misstrauisch in die Ohrmuschel.
„"Fire?"“ Nathans Stimme. Sogleich atmete die junge Frau auf.
„"Ja?“," gab sie zurück. Es tat gut die Stimme des anderen zu hören. „"Hat alles geklappt?“"
„"Danke, Fire, ja, hat es. Sonst wäre ich jetzt schon..."“ Die Stimme des anderen klang schwach aber erleichtert.
„"Ja, ich weiß. Ist alles nach Plan verlaufen?“"
„"Ja, du hast dich wieder einmal selber übertroffen, meine kleine Schülerin.“"
Fiyera lachte leise. "„Gut, dann sollten wir uns jetzt erst einmal nicht treffen... falls sie doch etwas gemerkt haben. Melde dich, wenn du Hilfe brauchst.“"
Damit legte die junge Frau auf und ließ sich nach hinten fallen. Wenigstens hatten ihre Bemühungen gewirkt.

Xander schlief, er wusste dass er träumte, aber er konnte nichts dagegen tun. Sein Gegenüber sah ihn an, blinzelte und verschwand. Zurück blieb eine große dunkle schwarze Katze, die ihn herausfordernd an maunzte. Dann schlug sie mit ihren Krallen nach ihm und hinterließ tiefe Kratzer in seinem Arm, den er erschrocken hoch gerissen hatte. Spöttisch blinzelte sie und jagte davon. Erstarrt sah er ihr nach, dann blickte er auf seinen Arm. Um die Kratzer herum begann es sich zu verfärben. Es sah aus als hätte sich Tinte in seine Haut geschlichen. Die dunkle Färbung begann sich noch weiter auszubreiten. Xander schrie, er wollte wegrennen doch er war wie gelähmt. Und gleichzeitig flüsterte etwas in seinem Geist, es sei ja nur ein Traum. Die Schwärze bedeckte langsam seinen Körper. Und dann begann es.
Er löste sich auf, es fühlte sich an als zöge ihm jemand die Haut vom Körper. Xander schrie immer noch. Die Veränderungen zerbrachen seine Knochen und formten ihn neu. Tränen liefen über sein Gesicht und er zitterte am ganzen Körper. Schließlich war es zu Ende. Xander fauchte und jagte der Katze hinterher. Jagte ihr aus der Stadt nach, weiter, immer weiter, bis er im Süden war. Schließlich hatte sie sich verschätzt und er trieb sie in die Enge. Als er sie mit seinen Krallen auf den Boden pinnte, zerriss die Gestalt der Katze. Unter Xander lag eine Frau, die ihn spöttisch ansah. Aber er war nicht sicher, dass er sie kannte. Dann lachte sie leise und legte eine Hand in seinen Nacken. Sacht begann sie ihn zu kraulen, er schnurrte leise und rollte sich neben ihr zusammen. Dann spürte er Gefahr und wollte aufspringen, doch es war zu spät. Das Messer steckte schon in seinem Hals.

Xander wachte mit einem weiteren Schrei auf. Er war schweißgebadet und fühlte sich erschöpft. Was war nur los mit ihm.

Fiyera seufzte leise und schielte zum Telefon. Die letzten Minuten hatte es nicht geklingelt, also war wohl alles noch in Ordnung. „Ich sollte einkaufen“, überlegte sie und richtete sich wieder auf.
Seufzend strich sie sich eine Strähne aus dem Gesicht und tapste barfuß ins Bad, wo sie sich erst einmal ausgiebig duschte. Hinterher betrachtete sie ihre Gestalt in dem kleinen Spiegel über dem Waschbecken.
„Wieder mal steckst du in Schwierigkeiten, Fire“, meinte sie zu sich und legte eine Hand an die silbrige Oberfläche. Warum waren sie gestern nur in den Club gegangen, wo sie doch alle um die verschärften Kontrollen wussten.
Genervt seufzte sie und fluchte im inneren über die ganzen Drogenkonsumenten, die Razzien überhaupt notwendig machten.
„"Warum schmeißen die ihr Leben nur so weg“," murmelte sie und strich sich durch die Haare.
Schließlich schüttelte sie ihren Kopf und zog sich einen dünnen Morgenmantel über, bevor sie zu ihrem Rechner ging. Jetzt war es wichtig, ein normales Leben weiter aufrecht zu erhalten.
Wenige Minuten später, erhob sie sich aus dem Sessel vor ihrem Schreibtisch und nahm sich den Hörer des Telefons, das noch immer auf dem Bett lag.
Ein Blick auf die Notiz, die sie sich geschrieben hatte, dann wählte sie eine Nummer. Xander, so sonderbar er auch war, konnte eine gute Ablenkung sein. Vor allem, da er womöglich selber unter Beobachtung stand, konnte das die Ashranti von ihrer Spur ablenken.

Kaum das er wirklich wach war, klingelte sein Telefon. Noch nicht so ganz sicher auf den Beinen, stand er von der Couch auf. Er grübelte wer ihn um diese Zeit wohl anrief, die wenigsten wussten, dass er im Telefonbuch stand. Und kaum einer hätte ihn nur unter seinem Vornamen gesucht. Schließlich hob er ab.
"Ja?"

„"Xander?“," meldete sich Fiyera und ließ sich auf ihr Bett sinken. „"Ich... weiß nicht, ob Sie sich an mich erinnern? Ich wollte fragen, wie es Ihnen heute morgen geht?“"
Die junge Frau grinste. Einerseits war es unfair dem anderen gegenüber, aber andererseits mochte sie ihn irgendwie auch.
"„Ich meine, gestern Abend waren Sie ziemlich fertig mit der Welt und deswegen..."

"Gut soweit." Er lachte leise, doch verbarg es nicht, dass er einen Alptraum gehabt hatte. "Es scheint, dass es noch Leute gibt, die lesen können." konnte er sich einen Kommentar nicht verkneifen. "Haben Sie heute schon etwas vor?"

„"Mh, wie sie sich anhören, hatten Sie eine schreckliche Nacht“," gab Fiyera zurück und musste grinsen. Ihre war zwar nicht schlimm gewesen, doch viel zu kurz.
"„Lesen? Natürlich kann ich lesen“," gab sie dann zurück. Auf was er das wohl bezog? „"Und nein, heute habe ich noch nichts vor.“"

"Treffen wir uns zu einem Frühstück? Ich bin grad erst wach geworden. Nachdem ich ein nettes Ende im Traum gefunden habe." meinte er trocken. "Ich würde Sie gern im 'Rockiays' treffen."

„"Albtraum, was?“" Fiyera seufzte und überlegte kurz. Das ‚Rockiays’, ein Edelschuppen, soweit sie informiert war, aber warum auch nicht. "Also gut, ich könnte in einer Stunde da sein“;" meinte sie dann. Zum Glück hatte sie schon geduscht.

"Klingt gut. Dann sehen wir uns in einer Stunde im Rockiays." Xander lächelte. "Bis dann."

„"Bis dann." Fiyera grinste und legte auf. Ein Date hatte sie schon lange nicht mehr, normalerweise traf sie sich mit den anderen, manchmal um die Lage zu besprechen, seltener, um Spaß zu haben, aber meist um über die aktuelle Auftragslage zu sprechen.
Kurz erhob die junge Frau sich noch einmal, um zum Computer zu gehen. Mit schnellen Bewegungen tippte sie den Namen des Ladens ein, dann wartete sie. Schließlich war sie auf der offiziellen Webseite des Rockiays.
Viel interessantes befand sich nicht darauf. Es schien nur ein Lokal für die Neureichen zu sein, in dem man gegen entsprechende Bezahlung alles bekommen könnte.
„"Mal sehen, ob das wirklich so ist“;" murmelte Fiyera und drückte eine Taste. Wieder hieß es warten. Doch nach und nach erschienen Zahlen auf ihrem Bildschirm. Sie schienen keinen Sinn zu ergeben, waren es doch nur zahllose Einsen und Nullen, doch die junge Frau überflog die scheinbar endlosen Kolonnen, wie als würde sie einen normalen Text lesen.
Schließlich grinste sie. "„Wusste ich es doch“," meinte sie triumphierend.
Zwar war die Information nicht wie erwartet, aber das war in diesem Fall wohl eher ein Fakt, der für den Club sprach.
„"Nur auf Einladung, so“," murmelte die junge Frau. Sie fragte sich, ob Xander das wusste, und ob sie dafür sorgen sollte, dass sie beide eine höchst exklusive Bedienung erhalten sollte, ließ es dann aber bleiben.
Gerade als sie sich wieder erheben wollte, entschied sie sich doch um. Schnell verfasste sie eine eMail an den Besitzer.
„"Fire hier, zwei Freunde kommen, bereiten Sie alles vor asap. Name der Individuen: Fiyera, Xander, Sec Prot 3.“"
Als sie auf senden klickte, grinste sie breit. Wenn der Besitzer wirklich so bewandert in der High Society war, dann würde er wissen, was er mit dieser Meldung anzufangen hatte.

Nach dem Fiyera aufgelegt hatte, rief Xander im Rockiays an.
"Lou, ich bin in einer Stunde mit einer reizenden jungen Frau verabredet. Sorg bitte dafür, dass Fiyera reinkommt und man ihr keine Schwierigkeiten macht."
"Sicher Xander. Das übliche oder etwas besonderes?" entgegnete Lou, die rechte Hand vom Chef des Rockiays.
"Das überlass ich Dir, überrasch mich." meinte Xander grinsend. Auf Lou war Verlass - er hatte bisher immer genau das richtige gefunden.

Nachdem das erledigt hatte, machte Fiyera sich fertig. Für den Tag wählte sie eine einfache Bluejeans und ein eng geschnittenes Oberteil in grün auf dem in bunten Farben Pacman dargestellt war. Schließlich kämmte sie sich noch ihre Haare und band sie zusammen.
Dann betrachtete sie sich im Spiegel und nickte. Mit einem letzten Blick zurück, machte sie sich schließlich auf den Weg, ein Taxi zu rufen.
„"In einer Viertelstunde beim Marktempel“," meinte sie und warf sich während sie mit dem Mann am anderen Ende sprach, ihre Jacke über und machte sich dann auf den Weg.
Als sie die Türe hinter sich verschloss, hörte sie, wie etwas einrastete und vernahm dann das leise Summen von Elektroden. Zufrieden nickte sie und ging los, zum Marktplatz.

Xander verschwand nach dem zweiten Telefonat unter der Dusche. Heißes Wasser prasselte auf seine verspannte Muskulatur und löste langsam die Schmerzen. So wie die Schmerzen verschwanden, schlich sich auch der Alptraum aus seinen Gedanken, bis Xander sich nicht mehr an ihn erinnerte. Und dennoch, er blieb wie ein kleiner Stachel hängen, der ihn nicht mehr losließ.
Nach einer ausgiebigen Dusche zog Xander sich legere, helle Kleidung an und machte sich auf den Weg. Fips lag abgeschaltet auf der Rückbank.

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